Virtual Reality – Anfang oder Ende des Storytelling?

Als vor 20.000 Jahren der junge Nkrok* (*Name von der Redaktion geändert) die Höhlenmalerei in Lascaux betrachtete, war er so begeistert, dass er seine Augen nicht von der Wand lassen konnte. Die Höhle neben und hinter ihm nahm er nicht mehr wahr. Wenn Dietmar 20.000 Jahre später in einem Kinosaal den Imperator einer fernen Galaxie bewundert, ist das nicht anders. Nkrok und Dietmar sind beide nur Betrachter einer Geschichte, die vor ihnen erzählt wird. Auch die Erfindung von 3-D-Brillen hat das nicht geändert.

Mit Virtual Reality, kurz VR, tauchen wir Menschen erstmals in eine Geschichte ein und werden Teil dieser Story. Immersives Erlebnis nennt sich das und ist wirklich „neu“ im wahrsten Sinne des Wortes. Dadurch werden wir vom Popcorn kauenden Betrachter zum aktiven Besucher, wie Jessica Brillhart von Google die früheren Zuschauer ganz treffend nennt. Endlich ist man, wie ein alter Werbeslogan mal behauptet hat, mittendrin statt nur dabei.

Was bedeutet das für das Storytelling?

„VR ist großartig und wird das ganze Medium Film verändern“, glaubt nicht nur Hollywoods Star-Schauspieler Michael Fassbender, sondern mit ihm ganz Holly- und Bollywood zusammen. Und die Marketingwelt sowieso. Doch herkömmliches Storytelling, eine Handlung linear durch Schnitte spannend zu erzählen, funktioniert dabei nicht mehr. Wie erzeuge ich also Spannung, wenn das ganze Filmset von Anfang an sichtbar ist? Wie mache ich Lampen, die ich für die richtige Stimmung benötige, unsichtbar? Wo verstecke ich die vielen Teilnehmer der Filmcrew, die sonst unsichtbar hinter der Kamera sind? Durch den 360°-Rundumblick kann ich ja alles sehen.

VR ist geil – aber wie geht das genau?

Die Begeisterung für VR ist riesig, aber wenn man sich umschaut, was bisher in VR produziert wurde, muss man ernüchtert feststellen, dass wir alle noch absolute Beginner in einem Lernprozess sind. Als Zuschauer haben wir jetzt erstmalig die Möglichkeit, uns an Orte zu begeben, an die wir sonst nicht so schnell gelangt wären. Das kann eine Stadt irgendwo auf unserem Planeten sein oder das luxuriöse Hotelzimmer unseres nächsten Urlaubs oder das Cockpit eines neuen Autos. Das sind mitunter spannende Erfahrungen. Doch diese rein informativen Filme büßen schnell einen gehörigen Teil ihrer Faszination ein. Wie lange will ich denn durch mein Hotel laufen? Wie lange ein Autocockpit sehen, ohne den Wagen auch zu fahren? Eben!

Das Storytelling für VR muss erst noch erfunden werden.

Versteht man VR nur als die Weiterentwicklung eines herkömmlichen 2-D-Films, wird man die Lösung nicht finden. VR ist etwas ganz anderes und muss gesondert behandelt – vor allem – völlig neu gedacht werden!

Wer jetzt glaubt, es muss einfach überall etwas passieren – vorne, hinten, oben, unten – dann sei das schon ein immersives Erlebnis, der hat VR nur halb verstanden. Natürlich kann man den Besucher versuchen, zu leiten. Durch interaktive Schaltflächen, Töne und Grafikelemente. Das ist auch notwendig, denn sonst wird der Produktionsaufwand gigantisch werden, wenn die Handlung in jede Himmelsrichtung weitergehen muss. Das dürfte selbst für Hollywood schwer zu stemmen sein.

 Der eigentliche Sex.

Entscheidender ist doch, dass VR die Markenwelten revolutionieren kann. Da braucht es keine lineare Story, sondern viele Einzelgeschichten, die jede für sich natürlich faszinierend sein müssen. Momentan ist das VR-Storytelling eher mit einer begehbaren Website zu vergleichen, mit Markenräumen, die man über interaktive Schaltflächen erreicht, in denen man unterschiedliche Themen aufregend dargeboten bekommt. Damit bekommen Zuschauer erstmals die Möglichkeit eine echte Empfindung zu einer Marke zu erleben. Das ist dann wirklich neu und bringt uns näher an die Marke heran als es jemals vorher möglich war. Da liegt für den Marketer der Sex in VR. Aber trotz aller Hype: Herkömmliche Videos mit linearen Stories wird es deshalb weiterhin geben. Vielleicht muss bei VR für „Storytelling“ ein neuer, passenderer Begriff gefunden werden.

Fakt ist: Das Ende des (herkömmlichen) Storytellings ist gleichzeitig der Anfang. Bei Virtual Reality.

 

1 Kommentar

  1. […] erleben, ganz ohne die rechteckige Begrenzung eines Flachbildschirms. Virtual Reality (int. Link: https://newcast.net/content-newsroom/virtual-reality-anfang-oder-ende-des-storytelling/) ist also nicht nur beim Gaming in Mode – auch als interaktives Marketing- und […]

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