Eine gute Content-Produktion braucht Bindfaden, Büroklammer und Pfefferspray

Wen das jetzt an MacGyver erinnert, hat seine Jugend in den 90ern vergeudet oder geht gerne auf Trödelmärkte. Ist also mit einem grundsätzlichen Hang zu Retro gestraft oder gesegnet – kommt ganz auf den Blickwinkel an. Allen jüngeren Lesern sei gesagt, dass MacGyver der Titelheld einer amerikanischen Actionserie mit Kultstatus war. Ein Blick in Prä-HD-Folgen auf YouTube bestätigt das auf absurde Weise. Beispielsweise dann, wenn er aus einem alten Kühlschrank, gebrauchten Textilien und einigen Propangasflaschen einen flugfähigen Heißluftballon bastelt.

Was hat das nun mit Content zu tun? Ist MacGyver etwa der Urvater der Content-Produktion? Das wäre zumindest eine gewagte These, die sich auch irgendwie herleiten ließe. Wie so vieles, wenn man nur genug Platz für die Buchstaben hat. Bevor ich nun das Tuch entferne und das Kaninchen aus dem Zylinder hole, schlage ich aber noch ein paar Haken zu wirklich wichtigen Informationen.

Wodurch unterscheidet sich eigentlich eine Content-Produktion von einer „normalen“ Film-Produktion? Durch nichts – und durch alles. In beiden Fällen braucht es jemanden, der den Content erstellt, beispielsweise ein Fotograf oder ein Kameramann. Ich bitte, beide Begriffe genderneutral zu verstehen! Außerdem braucht man eine Person, die bestimmt, was passiert. Die kann man Regisseur nennen. Oder Creative Director. Oder Chefredakteur. Oder, oder, oder. Was sind schon Titel – und ich frage mich gerade, welchen hatte eigentlich MacGyver?

Bei der Content-Produktion gilt es darauf zu achten, dass eine Geschichte erzählt wird. Aber nicht irgendeine, sondern eine, die sich am Interesse der Zielpersonen orientiert. Kein „Kauf mich, du Sau“ wie beim klassischen TV Commercial. Dieser Content versteht sich deutlich näher am Journalismus als an der Werbung. Hinzukommt, dass der Bedarf nach Bewegtbild-Content täglich zunimmt. Es gilt daher günstiger, schneller und glaubhafter zu produzieren. Denn das Wachstum der Etats verhält sich meistens umgekehrt proportional zum Julianischen Kalender. (Für alle Nicht-Lateiner: erhöht sich nicht zwangsläufig jedes Jahr.)

Immer gilt es authentisch zu sein. Wer jetzt denkt „Wie oft hat man das schon gehört?“, dem kann ich zustimmen. Nahezu alles hat man irgendwo schon einmal gehört. Hängt davon ab, wie viel man liest oder wie alt man ist. Nichtsdestotrotz (schönes Wort!) stimmt meine Behauptung. Eben weil man bei der Content-Produktion nicht mehr beim „verticken“ von Produkten ist. Sondern beim Storytelling. Ich weiß – auch der Begriff hat seinen Wear-Out-Effekt schon dreimal durchlebt.

Ob man die Authentizität nun besser mit einem Aldi Handy (billig) oder einer Kamera der Marke Red Dragon (teuer) umsetzen kann, ist eher nebensächlich und sowieso immer Teil einer Mischkalkulation.

Merksatz: Man muss nicht billig produzieren, um journalistisch zu wirken!

Gerade oft zitierte internationale Vorzeigebeispiele, die nach „mal eben aus der Hüfte gedreht“ aussehen, sind mitunter weniger günstig produziert worden. Entscheidend ist, wie es wirken soll.

Wer bis hierhin nur gelesen hat, um die Auflösung mit dem Bindfaden präsentiert zu bekommen, dem sei erst einmal herzlich gedankt – und dann gesagt: Der Faden steht für das verbindende Element, also eine wirkliche Story. Die Büroklammer erinnert mich daran, einfach und günstig zu bleiben. Teuer und kompliziert kann jeder. Und das Pfefferspray wende ich gegen mich an, wenn ich mich verlaufen habe. Das schärft dann aber so richtig die Sinne.

Das ist jetzt alles sehr weit hergeholt, finden Sie? Mag sein. Das war bei MacGyver nicht anders und hat seinem Erfolg auch keinen Abbruch getan. Letztendlich geht es immer nur darum, die Leute bei der Stange zu halten. Das war schon im Pleistozän in den gemütlichen Höhlen des Düsseldorf nahen Neandertals so und ist in den ultrahippen Virtual-Reality-Zeiten der Content-Produktion nicht anders. Gib mir Geschichten, Baby!

2 Kommentare

  1. Tanja Schmidt
    26. Juli 2016 am 15:57 — Antworten

    Ok, keine Büroklammern für Hakan!

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